Flächenmanager 2. Quartal 2016

Kehrwoche für Kunstrasen

Wer sich für Kunstrasen entscheidet, tut das meist, weil er nicht mähen und nicht düngen möchte und die Winterpause auf dem Platz kurz ist. Gänzlich sparen kann man sich Pflegemaßnahmen aber nicht: Die Kunststoffbeläge müssen regelmäßig gereinigt werden, wenn sie lange halten und den Spielern Spaß machen sollen.

Fußballplätze aus Kunstrasen erfordern regelmäßige Reinigung. Wie oft, hängt unter anderem von Lage und Umfeld des Platzes ab. Stehen beispielsweise viele Laubbäume in der Nähe, gelangen mit den Blättern Nährstoffe auf die Fläche. Von Ackerflächen kann sandiger Boden auf den Platz geweht werden. Die Nährstoffe setzen sich in der Füllschicht aus Sand und Granulat fest und bilden dort einen guten Nährboden für Bewuchs. "Vor allem in schattigen Bereichen, in denen Nässe nicht so schnell abtrocknet, sind das ideale Bedingungen für das Wachstum von Moosen und Algen", sagt Udo Rößler, Verkaufsleiter der Firma Sandmaster in Wendlingen. Das Unternehmen bietet Kunstrasenreinigung als Dienstleistung in Deutschland und Europa an.

"Zu dem offensichtlichen Schmutz auf der Oberfläche gehören Blätter, Baumnadeln, Papier, Verpackungen und Zigaretten", zählt Tobias Müller, Marketingleiter des Kunstrasenherstellers Polytan in Burgheim, auf. Dieser Schmutz muss umgehend entfernt werden, am besten mit einem Gebläse von der Mitte des Platzes nach außen oder mit einen Kehrmaschine, die dem Rasensystem angepasst ist.

Diese Reinigung fällt unter die regelmäßige Pflege, die Kommunen und Vereine auf ihren Plätzen normalerweise selbst durchführen. Neben dem Säubern gehört dazu mechanische Entfernen von Pflanzenwuchs - durch Ausreißen, Abschneiden oder Ausspritzen mit Wasserdruck, aber ohne aggressive Reinigungsdüsen. "Anschließend ist der Füllstand von Sand und Granulat zu prüfen und gegebenenfalls nachzufüllen", rät Müller. "Um Verfüllmaterial auf kleinen Flächen zu verteilen, genügt ein Straßenbesen mit etwas härteren Kunststoffborsten. "Weitere Kontrollmaßnahmen auf den Plätzen sind die Prüfung von Linien und Nähten (Verklebung) und der Befüllung, vor allem in stark belasteten Bereichen.

David Schwarting ist zuständig für den Vertrieb von Reinigungsmaschinen bei der Hörger Maschinen e. K. in Cadenberge. Er zählt kurz und knapp die Pflegemaßnahmen auf Kunstrasenflächen auf: "Sie müssen den Grobschmutz entfernen, Feinteile absaugen, Verfüllmaterial verteilen, Flor aufrichten und das Verfüllmaterial tiefenlockern. Gerade in den stark bespielten Bereichen wie Torraum, Ecken und um die Elfmeterpunkte ist es wichtig, verschobenes Material schnell wieder an die richtige Stelle zu bringen. "Dieses Einebnen des Verfüllmaterials, das sich üblicherweise entlang der Hauptspielachse zwischen den Elfmeterpunkten nach außen verschiebt, wird ebenfalls von viele Vereinen selbst übernommen, erklärt Udo Rößler von Sandmaster: "Je nach Belegsart und Witterung wird der Platz dazu mindestens einmal wöchentlich mit einem Dreieckbesen oder einer Schleppmatte von außen nach innen abgezogen und so egalisiert."

Intensivreinigung vom Spezialisten

Hersteller von Reinigungsgeräten wie Hörger und Polytan sowie Dienstleister wie Sandmaster kommen bei der intensivreinigung mit Tiefenlockerung ins Spiel. Intensivreinigung bedeutet, verschmutztes Füllmaterial aus dem Rasenflor aufzunehmen Fein- und Staubteile werden abgesaugt und landen in Filtern, grober Schmutz in eine entsprechenden Vorrichtung. Das so gereinigte Füllmaterial fällt wieder auf die Kunstrasenfläche. Bürsten richten den Rasenflor wieder auf. Jeder Hersteller hat seine eigenen Maschinen, Anbaugeräte und Systeme.

Muss das Verfüllmaterial gelockert werden, kommen Vorrichtungen mit Zinken zum Einsatz. Warum Tiefenlockerung wichtig ist, erklärt David Schwarting von Hörger: "Zum einen bleibt so die Drainagewirkung erhalten, zum anderen auch die Fähigkeit des Kunstrasens zum Kraftabbau - das schützt die Spieler." (Gemeint ist damit das Dämpfungsverhalten des Belags, Anm. d. Red.) Wichtig ist diese Maßnahme sowohl auf Plätzen, die mit Sand verfüllt werden, als auch Plätzen mit einer Sand-/Gummiverfüllung. Die Intensivreinigung sollte etwa ein- bis zweimal jährlich stattfinden. "Da im Winter die Pflegeintensität geringer ist, ist ein guter Zeitpunkt auf jeden Fall das Frühjahr. Ideal ist ein zweiter Termin im Herbst", weiß Udo Rößler.

Viele Arbeitsgeräte für die Kunstrasenpflege sind Anbaugeräte für Traktoren. Ein ausgeklügeltes Reinigungssystem hilft nichts, wenn der Fahrer bei der Arbeit auf den Kunstrasenflächen nicht äußerste Sorgfalt walten lässt. "Bei den Pflegearbeiten sollten Sie einige Grundregeln beachten", sagt Tobias Müller von Polytan. "Das Gesamtgewicht der Pflegegeräte sollte 5 t nicht überschreiten. Fahren Sie mit mäßiger Geschwindigkeit, vermeiden Sie abruptes Bremsen und Beschleunigen, da sich sonst der Rasenbelag verschieben kann oder Halme abgeschert werden . Gleiches gilt für Lenkbewegungen - hier ist weniger mehr."